Auf den Spuren der Mecklenburger Seen Runde

Planung und Durchführung: Ingolf Wiegmann

Fotos und Text: Oliver Wiegmann

Zum Ende der Sommerferien und auch der Radsportsaison haben sich fünf Radler des SC Hemmoor auf die Spuren des Mecklenburger Seen Marathons begeben.

Ingolf war angetan von der Idee einen Marathon zu fahren. Und dann gleich über 300km! Verunsichert durch einige Zweifler, schon im Mai eine so lange Strecke in einem Stück zu fahren und auch Terminschwierigkeiten der Mitradler ließ man den Anmeldetermin verstreichen.

Doch die Strecke und die Distanz übten schon einige Faszination aus...

So reifte der Plan für eine Verbindung von Urlaub und Sport.

Fünf von uns konnten sich dann tatsächlich die Zeit nehmen um die Tour am 04. September anzutreten.


Thomas Kraatz-Peters, Jens Cyrol, Heiko Lewandowski, Oliver Wiegmann, Ingolf Wiegmann

Dieses Mal sollte es kein Begleitfahrzeug geben, so daß wir uns um einen Gepäcktransport auf dem Renner kümmern mussten. Der Favorit war das Trägersystem von Topeak welches an der Sattelstütze befestigt wird und dann mit einerTasche bestückt werden kann die sicher eingeklickt wird. Ein Thule Träger mit Ortlieb Taschen war ebenfalls dabei. Um es vorweg zu nehmen: Beide Systeme haben die Fahrt auf teilweise schlechten Straßen wie Kopfsteinpflaster sicher überstanden.


Mit dem Zug begann die Fahrt um 6:22 Uhr in Hemmoor, um nach zweimaligen Umsteigen in Neubrandenburg zu enden.


Bei stahlendem Sonneschein und angenehmen Temperaturen von 23° ging es auf die vorher bei GPSIES vorbereitete Strecke. Nach leichten Verwirrungengen der GPS Geräte wurde der Weg gefunden und wir nahmen Tempo auf um die Stadt zu verlassen.


Hier der Tor-Plan: Wir wollten die Mecklenburger Seen Runde plus die Frauenrunde fahren. 500km in vier Tagen bei guten Wettervorhersagen.

1. Etappe Neubrandenburg-Neustrelitz 110km, 630Hm

Die Gewöhnung an ein beladenes Rennrad ging recht schnell von statten und so kamen wir flott voran. Flott ist natürlich relativ, denn mit Gepäck wogen unsere ansonsten leichten Räder zwischen 16 und 20kg! Was tut man sonst nicht alles um ein paar Gramm zu sparen...

Verpflegungspausen wollten wir alle 30-40km  einlegen.

Dises Vorhaben gelang nicht immer, wer schon mal im Osten der Republick unterwegs war, weiß warum. Zum einen ist die Gegend noch dünner besiedelt als das Cuxland und zum anderen gibt es dort noch weniger Supermärkte, Bäcker und Tankstellen als bei uns. Aber eine Kirche hat nahezu jeder Ort.

Am ersten Tag füllten wir unsere Energiespeicher bei km 35 in Friedland und bei km 77 in Burg Stargard wieder auf.

Im Notfall hätte man sich auch am Straßenrand versorgen können. Hier sind unheimlich viele Obstbäume gepflanzt, welche jetzt zum Ende des Sommers reichlich Früchte tragen. So war das Angebot an Äpfeln und Birnen schier unerschöpflich, aber auch Pflaumen und Mirabellen waren zu haben.

Die Nacht in Neustrelitz verbrachten wir in einer alten Kachelofenfabrik.

Der Komplex erstreckt sich über mehrere Gebäude mit den alten, sehr schön erhaltenen Fabrickhallen und neuen Ferienhäusern. In der großen Halle mit den Brandöfen befinden sich zwei kleine Kino´s, sowie ein Restaurant in dem wir gut gegessen haben. Die Zimmer entsprechen Jugendherbergs-Standart und sind für eine kurze Verweildauer völlig ausreichend.

Den Abend verbrachten wir mit einem Gang zum Hafen und natürlich mit dem ein oder anderem Glas Weizenbier.

2.Etappe Neustrelitz-Waren 148 km, 650Hm

Der zweite Tag begann mit einem reichhaltigen Frühstücks-Buffet für günstige 7,50€ neben den alten Brandöfen in der Kachelofen-Fabrik.

So gestärkt konnten wir uns auf den Weg nach Waren machen.

Natürlich nicht auf direktem Wege, denn zwischen Neustrelitz und Waren liegen nur gut 40km. Stattdessen führte die Route südlich um die Müritz, den zweitgrößten Binnesee Deutschlands, herum, um im weiten Bogen schließlich in Waren am nördlichen Seeufer zu enden.

Die erste Pause legten wir dann schon nach 4,5km ein. Nicht ganz freiwillig allerdings. Leider hatten wir die Zimmerschlüssel nicht abgegeben... Ingolf legte sein Gepäck ab und radelte kurzerhand den Weg zurück um nach gut 20 Minuten wieder zu uns zu stoßen. So konnte die Fahrt bei bestem Wetter und Temperaturen um 24° fortgesetzt werden.

Eine erste echte, wenn auch kurze, Pause legten wir dann in Mirow am Hafen ein.

Knapp zwanzig Kilometer vor der angepeilten Mittagspause in Malchow erwartete uns eine von zwei größeren Steigungen des Tages. Auf einer Länge von 2km waren 40Hm zu überwinden.

Was sich nicht so dramatisch anhört, wird mit einem bepackten Renner bei sommerlicher Luft doch zur schweißtreibenden Angelegenheit.

So gönnten wir uns in Malchow dann auch ein alkoholfreies Weizenbier und eine Kleinigkeit zu Essen beim Italiener direkt an der Drehbrücke der

Müritz-Elde-Wasserstraße, welche die zwei Stadtteile der Inselstadt Malchow verbindet.

Statt der weltweit bekannten Liebesschlösser hängen an dieser Brücke gehäkelte Säckchen.

So gestärkt ging es wieder auf Strecke. Es lagen schließlich noch knapp 60km vor uns.

Bei km 117, kurz vor Vollrathsruhe nutzten wir einen stählernen Aussichtsturm für einen weiteren Halt. Mit Radschuhen ging es die Gittertreppe hoch um einen weiten Überblick zu gewinnen. Manch einer hatte allerdings Bedencken ob der Turm die Wackelei aushalten würde...



Nach schließlich 148km erreichten wir unser Ziel-Hotel Radlon in Waren.

Dieses sehr kompfortable Hotel ist speziell auf Radfahrer ausgerichtet und hat erst vor kurzer Zeit eröffnet. Hier konnten wir auch unsere Trikots und Hosen waschen/trocknen.

Unser Abendessen nahmen wir beim Griechen ein, diesen kannten wir schon von einer früheren Radtour, und wurden auch diesmal nicht enttäuscht. Allerdings haben wir in der Vergangenheit schon mal mehr Ouzo bekommen...

3 . Etappe Waren-Feldberg 127km, 750Hm

Jeder hat so seine Vorbereitungen zu treffen bevor er auf Tour geht.

Wiederum bei schönstem Wetter und 24° machten wir uns sodann auf den Weg nach Feldberg. Unsere Strecke sollte uns mal nördlich, mal südlich der B192 über Penzlin und Neubrandenburg zum Ziel führen.

Da Waren nicht direkt auf der Mecklenburger-Seenrunde liegt, galt es eine Verbindung zur Route zu erstellen.

Hier zeigte sich das die Planung am PC immer wieder für Überaschungen gut ist. Was auf gpsies noch als veritabler Weg erschien, entpuppte sich vor Ort als Mountainbikewürdiger Parcour. Nach dieser ca. 3km langen Passage mit einem Taschenabwurf ging es dann aber wieder flott voran.

In Neubrandenburg, bei km 80, machten wir dann eine längere Pause mitten im Zentrum. So konnten alle etwas essen und ihre Getränkeflaschen auffüllen. Noch in der Stadt erwartete uns die größte Steigung des Tages. Entlang des Stadtparks ging es auf 4km um 65Hm mit max 6% aufwärts!

Es folgten natürlich noch viele weitere Hügel auf sehr schönen Alleen und Nebenstrecken bis wir letztlich die DJH in Feldberg erreichten.


Die etwas ausserhalb liegende Jugendherberge machte einen etwas herruntergekommenen Eindruck, aber die Herbergseltern machten durch guten Service und die Bewirtung diesen kleinen Makel wieder wett.

Wir wurden mit einer Gerstenkaltschale empfangen und alsbald nachdem wir uns geduscht und umgezogen hatten lag auch schon das Fleisch auf dem Grill.

Hiernach machten wir uns noch auf den Weg in den Ort um bei dem einen oder anderen Getränk im Biergarten einer Kneipe mit Live-Musik den Tag zu beschließen.

Das technische Equipment wird immer mehr...

4. Etappe Feldberg-Wittstock/Dosse 110km, 500Hm

Der letzte Tag unserer Tour brach an und der Wetterbericht sagte Regen voraus. Pünktlich zum Start, nach dem Frühstück, sollte es zu regnen anfangen, so die Prognose. Na ja, dann könnten wir wenigstens unsere Regenbekleidung mal nutzen, statt sie nur durch die Gegend zu transportieren.

Und so kam es dann auch.

Vorher jedoch wurden die Räder aus der Garage geholt und bepackt. Hier zeigte sich das der tolle Conti von Jens ein wenig schwächelte. Dieser fackelte nicht lange und wechselte fast in Rekordzeit den Schlauch, bei dem aber wohl nur das Ventil etwas undicht war.

Man muß ja immer das Positive sehen sage ich immer, in diesem Fall: Es war windstill. Regen hatten wir jedenfalls reichlich, was aber der Stimmung keinen Abbruch tat.

Nach 32km zwang uns leider ein weitere Platten zu einer unplanmäßigen Pause. Diesmal hatte es Heiko erwischt. Also, Gepäck runter Schlauch wechseln, aufsatteln, weiter. Dank Jens tatkräftiger Hilfe war dieser Stopp in 15min erledigt. Und der Regen sollte auch schon bald aufhören.

Bei Kilometer 47 machten wir dann eine Pause in Wesenberg wo wir einen Bäcker fanden der geöffnet hatte. Die Sonne kam wieder raus und wir konnten die Regensachen aus- und trockene Socken anziehen.

Die Temperaturen stiegen auch wieder, von morgens 14°C auf sehr angenehme 23°C mit Sonnenschein. Somit gönnten wir uns in Rheinsberg wieder eine längere Pause bei einem leckeren Eis, da wir auch sehr gut in der Zeit lagen um unseren Zug zu erreichen.

Der letzte Tag führte dann auch tatsächlich an vielen Seen vorbei. Zuvor hatte man sich schon gefragt warum es eigentlich Mecklenburger Seenrunde heißt?

Die Strtecke war noch mal sehr abwechslungsreich, mit Kopfsteinpflaster in kleinen Ortschaften, Radwegen und gut ausgebauten Landstraßen.

Manch einer führt scheinbar auch seinen Haustand mit sich...

Die letzten 15km bis zum Ziel in Wittstock wurde noch mal etwas Tempo gemacht, da die Strecke jetzt nur noch flach oder sogar abwärts führte. In Reihe fahrend mit auch mal über 32km/h flogen wir auf unser Ziel zu. Hier konnten Jens und Oliver es sich natürlich nicht nehmen lassen einen abschließenden Ortsschildsprint auszufahren.

Kaum in der Stadt angekommen, fand sich sogleich ein Schwimmbad in dem wir für 1,-€ duschen konnten. Perfekt!

In Bahnhofsnähe war dann auch noch ein Stadtfest wo wir uns für die Mühen des Tages mit frischem Bier und Bratwurst belohnen konnten.


Alles in allem eine sehr schöne, abwechslungsreiche Tour die allen Spaß gemacht hat.

Vielen Dank an Ingolf für die hervorragende Ausarbeitung und Durchführung.